Volkmar - Max Eyth - Страница 1 из 158


Gedicht.Die Handlung fällt in den Kaiserstreit von Ludwig dem
Bayern und Friedrich dem Schönen von Österreich (um das Jahr
1322). Aus: Feierstunden I. Jugendtraum. 1.
Frühling.      Einsam ist's im Rittersaale
droben
Bei dem Vater und den Edelknechten,
Wenn sie ihres Jagdspeers Beute loben,
Oder über Krieg und Frieden rechten;
Einsam ist es, wenn die Humpen kreisen,
Klappernd auf den Tisch die Würfel fallen,
Oder wenn die altgewohnten Weisen
In dem Steingewölbe widerhallen,
Wenn gerührt von schwertgewohnten Händen
Harfen ihre Schlachtenlieder singen,
Und der Ahnherrn Waffen an den Wänden,
Wie im Traume, leise miterklingen;
Einsam ist's und kalt; es heult der Wind
Rasselnd in den hohen Bogenfenstern;
Durch die dunkeln Gänge schleicht das Kind,
Bang und zitternd vor den Nachtgespenstern.
Aber warm und heimlich ist's im Stübchen,
Wo die Amme bei dem Rocken sitzt,
Wenn der graue Pförtner seinem »Liebchen«
Dann am neuen Vogelbauer schnitzt, –
Wenn der alte »Wächter« grämlich knurrt,
Daß sie lachend ihm die Ohren zauste, –
Wenn auf ihrem Schoß die Katze schnurrt
Und dazu der Schneewind lauter brauste, –
Wenn die Amme, die sich müd' gelesen
Im Gebetbuch, das sie nie verläßt,
Ihr erzählt mit Augen, gramgenäßt,


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