Vorwort - Max Eyth - Страница 1 из 7


luftigen Höhen einer polytechnischen Schule in die Tiefen der
Praxis war in meinen jungen Jahren schwieriger als heutzutag. Man
wußte in der Praxis noch nicht, wozu Polytechniker auf der Welt
waren, und die Schulen wußten erstaunlich wenig von der Welt der
Praxis. So kam's, daß ich an einem trüben Novembermorgen
des Jahres 1856 in ganz eigentümlicher Gemütsverfassung vor
einem riesigen Schwungrad saß – riesig für meine
damaligen Begriffe –, das in der düstern
Montierungswerkstätte der Gebrüder Göbel,
Eisengießerei und Maschinenfabrik zu Heilbronn am Neckar, auf
niedern Holzböcken wagrecht ausgelegt und soeben
zusammengeschraubt worden war. Denn es bestand aus acht Segmenten und
hatte achtmal achtundvierzig sieben Zoll breite Zähne, mit denen
es mich drohend anfletschte. Nach einer Drehbank, ein solches Rad
abzudrehen, sehnten sich die Herren Gebrüder Göbel noch
vergebens; von einer Fräsmaschine, ihm die Zähne zu putzen,
wußte man überhaupt noch nichts. So setzte man mich armen,
jungen Wurm vor das Ungetüm, gab mir vier Meisel, einen Hammer
und ein paar wohlgebrauchte alte Feilen und vertraute mir eine
Blechschablone an, in der ich kopfnickend eine Epizykloidenverzahnung
erkannte; denn umsonst hatte ich denn doch das Polytechnikum nicht
besucht. »Nun machen Sie sich dran«, sprach der
Werkführer verdrießlich, der mich nach einigem Nachdenken
vor das Rad geführt hatte. »Meiseln Sie mir die Zähne


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