Der Irrgeist des Schlosses - Nataly von Eschstruth - Страница 1 из 274


Roman   Dritte Auflage. Viertes und fünftes
Tausend Hermann Costenoble
Jena 1892
301 Seiten Erstausgabe:
Berliner Verlag-Comptoir 1886
301 Seiten    
Meiner lieben Freundin
Fräulein Natalie Kalnaß von Kalnassy
zur Erinnerung
an fröhliche, in einem alten »Gespensterschloß«

verlebte Stunden Die Verfasserin  
  1. Die Blüthe fiel, mir blieb der
scharfe Dorn,
Noch immer aus der Wunde quillt das Blut;
Es sind das Weh, die Sehnsucht und der Zorn
Mein einzig Gut. Geibel. Es war im Juni. Blendende
Sonnenglut lag auf dem weit gedehnten Häuserkomplex der
Kadettenanstalt, flimmernd, wie ein unabsehbares Strahlennetz, welches
mit tausend feinen Goldmaschen Himmel und Erde umsponnen hält.
Die jungen Gartenanlagen standen matt und welk, einzelne
Schmetterlinge hingen an den Blumen, und die Fliegen blitzten wie
übermüthige Gedanken durch die Luft, ebenso bunt und
schillernd wie der Sonnenstaub, in welchem sie sich tummelten. Hinter
dem Hauptgebäude dehnte sich der Reitplatz aus, da war Schatten.
»Durch die Mitte der Bahn changirt!« klang die Summe
des unterrichtenden Kavallerieoffiziers. Er ließ die
Reitpeitsche sinken, stemmte die Arme in beide Seiten und ließ
die erhitzten Pferde an sich vorüber defiliren. Mit


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