Der Stern des Glücks - Nataly von Eschstruth - Страница 1 из 368


flüchtig Ding
Und war's zu allen Tagen,
Und jagtest du um der Erde Ring,
Du könntest es nicht erjagen!
Leg lieber dich ins Gras voll Duft
Und singe deine Lieder –
Urplötzlich, aus der blauen Luft
Fällt es auf dich hernieder! Geibel. 
Jean Baptiste Sternberg, der hochbewährte Kammerdiener,
räumte in seiner sorgsamen Weise den Schreibtisch Seiner
Exzellenz, des ehemaligen Finanzministers auf, wie vor dreißig
Jahren, als dieser sich noch im Wirbelsturm der Geschäfte ganz
und gar auf seinen getreuen Sternberg verlassen und den
Diplomatentisch voll hochgestapelter Papiere, Mappen und
Broschüren dem Ordnungssinn seines Kammerdieners überlassen
konnte. Jetzt lagen weder Akten noch Broschüren, noch eilig
aufgerissene Briefumschläge auf dem grünen Tuch; die Tinte
war längst zu Staub zusammengetrocknet, die Feder verrostet, und
die Pendule, von zwei edelsteingeschmückten Mohren getragen,
tickte so schläfrig und müde, wie das Herz in der Brust
ihres alten, verabschiedeten Herrn. Die Zeit war abgelaufen
für ihn und für sie, – aber Jean Baptiste wollte es
nicht Wort haben, er räumte den Schreibtisch auf, – einen
Tag wie den andern – obwohl keine, gar keine Unordnung
darauf zu sehen war, obwohl kein Federzug mehr aus dem Tintenfaß
geschrieben, kein einziger geheimer Brief mehr in die braunlederne
Mappe geschoben ward. Exzellenz hatte sich schon lange, lange von Welt


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