Die Bären von Hohen-Esp - Nataly von Eschstruth - Страница 1 из 268


bekommt, ist es immer glücklich verheiratet«, hatte der
alte Kammerherr von Wahnfried gesagt und dabei die weißbuschigen
Augenbrauen noch grimmiger zusammengezogen als sonst. »Gundula
kann Gott danken, daß der Bär von Hohen-Esp sie zum Weib
begehrt! Ist wohl kein Nest so weich gepolstert wie das seine, und
wenn man den Grafen ansieht, lacht selbst solch altem Kerl wie mir das
Herz im Leibe, wieviel mehr meiner jungen Tochter.« Die
alte Dame, die dem Sprecher gegenübersaß, richtete sich
noch straffer empor und legte die großen, kräftigen,
schneeweißen und ungeschmückten Hände im Schoß
zusammen. Ihre klaren, durchdringend ernsten Augen hefteten sich
ruhig auf die hünenhafte Gestalt des Bruders, der, auf seinen
Krückstock gestützt, vor ihr stand und sie herausfordernd
anblickte. »Jung, schön und reich«, sagte sie
langsam, »ja, das ist er, aber er ist noch mehr! Graf Friedrich
Carl ist leichtsinnig. Er ist durch und durch Lebemann; die
große Welt, in welcher er, der Frühverwaiste, so jung schon
selbständig ward, droht sein Verderben zu werden.«
»So! Inwiefern, wenn man fragen darf?« »Weil
er sich ruiniert, weil er über seine Verhältnisse
lebt.« Der Kammerherr lachte hart auf. »Ein
Hohen-Esp sich ruinieren! Ein Hohen-Esp über seine
Verhältnisse leben! Ahnst du, wie reich der Mann ist?«
»Man kann in einer einzigen Nacht Hunderttausende verspielen!


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