Frühlingsstürme. Band I - Nataly von Eschstruth - Страница 1 из 266


I Seiner Hoheit dem Herzog Johann Albrecht

Regent des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin
in dankbarster Verehrung zugeeignet. »Du schützt die
Musen, edler Herr, Gott lohn' es Dir!« La Hoche-Houblon.
Es tobt der Sturm durch Wald und Feld,
Zieht brausend seine Bahn,
Verkündet laut der ganzen Welt
Des jungen Lenzes Nah'n.
Und Baum und Strauch sind jäh erwacht,
Nach langer, banger Winternacht! So braust der Sturm auch durch
das Herz,
Bis Schnee und Eis vergeht,
Und bis die Liebe nach dem Schmerz
In voller Blüte steht,
Dann folgt auf Sturm und Winterleid
Des Herzens sel'ge Frühlingszeit. G. v. Rochow geb. von
Pachelbl-Gehag. I. Die Sonntagsglocken
läuteten. Tiefe Stille lag über den Straßen der
Hauptstadt, aber nicht die friedliche, erquickende Feiertagsruhe, wie
sie voll heiliger Klarheit über Wald und Flur ausgebreitet liegt,
sondern eine dumpfe Regungslosigkeit, ein Schweigen, wie dasjenige
schwerster Erschöpfung, wie eine Todmüdigkeit, welche mit
halboffenen Augen in bleiernen Schlaf sinkt. –
Glühend heiß brütete die Mittagssonne auf dem
Häusermeer, – jeder Mauerquader schien unerträgliche
Hitze auszuströmen, kein Hauch, – höchstens eine
schwüle Duftwoge von Brand- und Gasgeruch, von all dem
widerlichen Gemisch ungesunder Ausdünstungen, welche im Umkreis


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