Frieden. Band II - Nataly von Eschstruth - Страница 1 из 237


II. Roman Leipzig
Verlag von Paul List XIV.
Nicht die Freude, sondern Schmerz und Trauer offenbaren eines Menschen
Herz. Wenn der große, heilige Ernst des Lebens mit ehernen
Fingern anklopft, tut es sich auf und läßt auf seinen
tiefsten Grund blicken. Da zeigt sich oft als Talmi, was man
für Gold gehalten, und manch unscheinbares Steinchen, welches
kaum der Beachtung wert schien, erweist sich als ein Brillant voll
solch wundervollem Feuer und solcher Farbenpracht, daß man nicht
müde wird, voll Entzücken zu schauen. Es entschleiert sich
der Leichtsinn, welcher philosophiert: »Glücklich ist, wer
vergißt, was nicht mehr zu ändern ist!« Da macht sich
die Selbstsucht und Genußsucht breit, welche alle Trauer als
lästiges Hindernis, als übles memento mori von sich
abschüttelt und zynisch lächelt: nur nicht Nachdenken!
– sich nicht von dunkeln Schatten bange machen lassen! Alles ist
eitel, – das ist die einzige Wahrheit, welche uns das Sterben
und Verderben ringsum beweist! Darum freut euch des Lebens, so
lang' noch das Lämpchen glüht! Oder die Verzagtheit
weist allen Trost und alles Hoffen von sich, um zu finsterer
Verzweiflung zu werden. Unglauben und Brutalität gehen Hand
in Hand. Selig aber das Menschenherz, welches tief und verborgen
liegt, wie ein stiller See. Kommt die Nacht, die dunkle, schwarze


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