Gänseliesel - Nataly von Eschstruth - Страница 1 из 562


»Ihr Gänschen, daß ihr's alle wißt,
Die Liesel eu're Kön'gin ist –
Gik – Gak – juch! – –«
        Weite, wogende
Kornfelder, rotblühendes Haideland und bräunliche Steppe,
begrenzt und durchschnitten von endloser Kiefernwaldung, ebenso
melancholisch wie der Himmel, welcher sich in einförmigem
Regengrau, oder in wolkenlos strahlender Sommerbläue, mit fern,
fern verschwimmendem Horizonte darüber spannt, wer kennt sie
nicht, diese eigenartig nordische Landschaft, so arm an bunter und
reizvoller Abwechslung, und dennoch eine zaubervolle,
thränenlächelnde Poesie? Keine Bergkuppe, kein malerisches
Felsenhaupt strebt zum Himmel, meilenweit schweift der Blick über
die Ebene, flach und einsam hingestreckt, ausdruckslos wie ein
schlafend Angesicht. Aber dort, weit hin am Waldessaum, da leuchtet
und blitzt es plötzlich auf wie ein zitterndes Silberband, da
dehnt sich hellkräuselnde Flut breiter und breiter vor unserm
Blick, ein schilfumkränzter See ist es, der tief 2 verborgen
zwischen Wald und Haide sein träumerisches Lied von der Sehnsucht
rauscht. – – – Juni war es, die
Rosen blühten. Die Luft schien zu zittern, so heiß und klar
war sie, und versuchte es der Wind, die träge Schwinge zu
rühren, so trug er nur schwüle Duftwogen herzu, deren
süßer Atem ihm selber den Sinn berauschte, darum sank er
kraftlos hernieder in die Lindenblüten und regte sich nicht mehr.


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