Hofluft. Band 1 - Nataly von Eschstruth - Страница 1 из 231


M. Flashar Sonne, Mond, Sterne, Himmelsglanz und
Veilchenduft! – So schrieb Jean Paul im ersten Entzücken
über die Luft der Höfe.« – Neumann-Strela.
I. Es war Frühling geworden. Lange Zeit hatte die
Newa geduldig den Nacken unter das Joch des Winters gebeugt, hatte den
eisglitzernden Panzer getragen, welcher ihre stolz wogende Flut schmal
und starr zusammenpreßte, und wie die Wagen der Triumphatoren
ehemals über den Leib des besiegten Feindes stürmten, so
rollten die Lastfuhren, klingelten die Schlitten und sausten die
dreispännigen Chariots voll kecken Übermuts über die
gefesselte Nixe, die Beherrscherin der alten Zarenstadt. Wohl hatte
die klare Wintersonne am Himmel gestanden und mit blendend grellem
Lichte Milliarden von bläulichen Funken aus den weiten Eis- und
Schneeflächen geweckt, aber ihr Kuß war matt und
kühl und verklärte nur die Ketten der gefangenen Freundin,
ohne sie brechen zu können. – Als aber das bunte Getreibe
der Petersburger immer herausfordernder wurde, und die gewaltige
Kristallbrücke der Newa gar zu viel des rastlosen Lebens ertragen
mußte, da erglühte das Tagesgestirn voll Zorn hinter den
Schneewolken, trieb sie auseinander wie Nebelgebilde und forderte mit
goldnen Pfeilen den Winter zum Kampf. Und nicht lange währte es,
da trieb eine imposante Wasserfläche ihre blauen Wogen zwischen
den Steinwällen des Kais und den Granitwänden der Festung


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