Hofluft. Band 2 - Nataly von Eschstruth - Страница 1 из 248


Bahnhofshalle der Residenz eingelaufen. Aus einem Coupé erster
Klasse schob sich, dem vorbeidrängenden Publikum in etwas
nichtachtender Weise die stattliche Rückseite zuwendend, Herr von
Kuffstein und kletterte, im dicken Pelz noch schwerfälliger als
sonst, die Trittbretter zum Bahnsteig hinab. Auspustend stand er
still und schaute nach der Wagentür empor. »Na,
Urschel-Purschel, mal Trab, die Karre geht weiter!« Statt
aller Antwort sauste eine Reisetasche über die Holzschwellen
hernieder, der in hohem Bogen eine Hutschachtel und eine Plaidrolle
folgten. Der alte Herr bog noch rechtzeitig aus und bückte
sich, so schnell es seine Korpulenz gestattete. »Biste denn
verrückt, Fröschchen? Du wirfst ja den Leuten Löcher in
den Kopf! Laß mal sein, der Schaffner kann uns ja den Krempel
ausladen!« Statt aller Antwort überschlug sich ein
Fußsack in der Luft und eckte an dem Zylinder eines Herrn an,
der den Kopf eifrig vorgestreckt hatte, in das Coupé zu
spähen. »Himmeldonnerwetter! Welch eine
Unverschämtheit ...« Die wuchtige Hand Kuffsteins
patschte ihm auf die Schulter. »Schimpfen Se doch nicht, alter
Freund, es war ja die Urschel- Purschel! Ich habe auch schon die
Reisetasche auf die Hühneraugen gekriegt!« »Mein
Herr!« In demselben Augenblick erschien das allerliebste
Figürchen Ursulas in der Tür. Das rosige Gesicht unter dem
dunklen Pelzbarettchen zeigte in hellem Lachen die weißen


-10     пред. Страница 1 из 248 след.     +10