Jung gefreit. Band 2 - Nataly von Eschstruth - Страница 1 из 255


Leben geärgert, wie über diese schwere Beleidigung. Solch
eine Antwort auf sein schönes Gedicht! Oh, es war, um sich die
Haare einzeln auszuraufen! Gott sei Dank schien es noch niemand
gelesen zu haben. Der Kellner machte ein so harmlos törichtes
Gesicht, als der Major ihn ausforschte, wer wohl das Fremdenbuch
zuletzt zur Hand gehabt hätte, daß er in der Tat unwissend
zu sein schien. Auch der Wirt konnte keine Auskunft geben, ja er
entsann sich nicht einmal, daß drei junge Herren in
großen, hellen Strohhüten bei ihm eingekehrt seien! Und
doch konnten allein die Herren aus Ruhla einer solchen Infamie
fähig gewesen sein; davon war Herr von Welfen überzeugt.
Auch die Damen schienen es anzunehmen, obwohl man sich nicht weiter
darüber aussprach. Es herrschte plötzlich ein allgemeines,
stillschweigendes Einvernehmen, diesen wunden Punkt unberührt zu
lassen. In Eisenach legte der Major aber viel Wert darauf, die
einzelnen Hotels zu besichtigen. Er erzählte den Wirten,
daß ihm Thüringen ganz ausnehmend gut gefalle, so gut,
daß er den nächsten Sommer in Eisenach verleben wolle. Dazu
müsse er sich schon jetzt Quartier ansehen! Ob das Hotel ruhig
sei, ob gute Gesellschaft darin verkehre, ob er wohl einen Blick in
das Fremdenbuch werfen dürfe? Gewiß! Mit größtem
Vergnügen! Welfen setzt den Kneifer auf und musterte mit
scharfem Blick die Namen der zuletzt eingekehrten Fremden


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