Appelschnut - Otto Ernst - Страница 1 из 155


mein dreijähriges Töchterchen Roswitha; aber ich sage immer
»Appelschnut«. Man darf diesen Namen nicht ins
Hochdeutsche übersetzen; »Apfelschnauze« klingt roh,
klingt gräßlich. »Schnauzerl«,
»Schnäuzchen« käme der Sache schon näher,
deckt sie aber nur zum Teil. »Schnut« umfaßt
nämlich nicht nur Mund und Nase, sondern so ein ganzes kleines
Gesichtchen, das man noch ganz und gar in eine Hand nehmen kann. Ja,
zuweilen umfaßt es einen ganzen
fünfundzwanzigpfündigen Menschen; wenn er eine geniale
Bemerkung macht, sagt man: »Du Klooksnut«, wenn er im
Feuerungsverschlag gespielt und Steinkohlen gegessen hat: »Du
Swattsnut.« Und da nun Roswitha nicht nur zwei rote Wangen hat,
sondern alles in allem genommen ausschaut wie ein rundes, blankes, rot
und goldenes, zum Einbeißen herausforderndes Früchtlein, so
hab' ich in einer begnadeten Stunde den Namen
»Appelschnut« gefunden. »Appelschnut« ist
unübersetzbar. Die junge Dame hat es gut; das darf man wohl
sagen. Schon früh am Morgen umstehen ihre Geschwister, bevor sie
sich zum Schulgang rüsten, mit nackten Beinchen ihr Bett und
bewundern die Anmut ihres Schlummers, die Dicke ihrer Ärmchen,
die Blondheit ihres Haares und ihre Kunst, auch im Schlaf noch mit
Ausdauer auf dem Daumen zu lutschen. Wenn sie endlich die Augen
aufschlägt, begegnet sie gewiß irgendeinem Blick, der sie
mit Liebe oder Bewunderung anschaut. »Was ist los?«


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