Die Kunstreise nach Hümpeldorf - Otto Ernst - Страница 1 из 105


Humoreske     Wiener Verlag
Wien und Leipzig
1905     7 Seine besten Freunde
lernt man gewöhnlich durch den reinsten Zufall kennen. Als ich
noch in Hamburg die Zahl der praktischen Ärzte
vergrößern half und mein schönes Messingschild mit der
Aufschrift »Dr. med. & chir. Edwin Scharff, approb.
Arzt« zwecklos an der Luft oxydierte, war ich eines Abends in
eine gräßliche Versammlung hineingeraten; wie ich nachher
sah, in eine Versammlung von solchen Beamten, die einander vier
Stunden lang beim Bier ihre Examina und die damit
zusammenhängenden geistigen Erlebnisse vorzählen, mit
beneidenswertem Gedächtnis produzieren, daß jener Kollege
bei drei Examinibus bereits 3250 Mark Gehalt beziehe, dieser
aber bei vier wohlbestandenen Prüfungen erst 3000 Mark
genieße, daß Kollege R. nächstens die dritte
Zulage erhalte, Kollege F. aber die fünfte
&c. &c. Diese Männer gehörten, wie ich in
Erfahrung brachte, einem Verein von 423 Mitgliedern an, von denen zu
den Versammlungen in 8 der Regel dreizehn Stück erschienen, nur
selten sank die Zahl der Besucher auf zwölf oder elf. Ein
»guter« Bekannter, den eine »Pflicht«
dahintrieb, hatte mich mitgeschleppt, wohl in dem freundschaftlichen
und auch ganz richtigen Gefühl, daß man sich zu zweien
erträglicher mopse als allein. Ausnahmsweise wurde aber heute
aus dem »Mopsen« nichts. Vor der Dreizehner-Versammlung


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