Satiren, Fabeln, Epigramme, Aphorismen - Otto Ernst - Страница 1 из 291


Im Zirkus, lieber Leser, hast du neben den schönen, starken
und mutigen Männern und Frauen, den herrlichen Pferden,
Löwen, Tigern und Elefanten immer auch einen Mann gesehen, der
fortgesetzt die lebhaftesten Gebärden machte, als wolle er es den
kühnen Reitern und Ringern, Fliegern und Springern gleichtun, der
aber wohlweislich nie dergleichen tat oder, wenn er es dennoch
unternahm, mit großem Nachdruck auf die Nase fiel. Du
weißt: das ist der »dumme August,« und hast
gewiß weidlich über ihn gelacht. Mir wenigstens ist der
dumme August immer ein unbezahlbares Vergnügen gewesen. Wenn
du die Augen nur ein wenig auftust, wirst du in der Weltarena, bei den
gefährlichen Kämpfen und Spielen, die man das menschliche
Leben nennt, neben den schönen Menschen und den gewaltigen
Bestien, neben dem herrlichen todesmutigen Michel und seinen Feinden
überall auch den dummen August am Werke sehen. »Am
Werke« ist er aber eigentlich nicht; er macht immer nur die
Gebärde des Wirkenden. Auch Worte macht er fleißig dazu;
aber ganz wie der August im Zirkus hütet er sich vor der
Tätigkeit und ihren Gefahren. Und wiederum ist er von diesem sehr
verschieden. Der Clown des Zirkus stellt sich dumm. Der Clown des
Lebens stellt sich klug. Jener ist ein freiwilliger, dieser ist ein
unfreiwilliger Spaßmacher. O, Spaß macht er viel; ich
wenigstens habe in meinem Leben viel über ihn lachen müssen!
Aber er hat auch – und das unterscheidet ihn ferner von dem


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