Vom Strande des Lebens - Otto Ernst - Страница 1 из 116


Otto Ernst (1908) Inhalt: Meersymphonie Anna
Menzel Von Schiffahrt, Angst, Courage und dergleichen An die
Zeitknicker Meersymphonie. I. Allegro impetuoso.
Was hab' ich immer gesagt?! Man muß die Menschen nur von
der richtigen Seite packen, dann sind sie für alles Große
und Herrliche leicht zu gewinnen. Und doch bin ich
überrascht, daß es so schnell und so glänzend gelang.
Wer hätt' es für möglich gehalten, daß dieses
Neufeld, dieses verrufene »Banausennest« ein Kunstpublikum
bekäme? Ich habe hier mit mehreren Freunden einen Kunstverein
gegründet, einen Aufruf erlassen, und in Scharen sind die
Dürstenden herbeigeströmt. Ich habe ihnen
auseinandergesetzt, wie ich mir's denke, und dann gab es eine
große Überraschung. Sie wählten mich zum
Präsidenten. Ich war ehrlich betroffen. Wie? dachte ich,
fordern diese Leute nicht mehr von ihrem Führer? Imponiert ihnen
das schon, was ich ihnen bieten konnte? Ich lehnte die Krone ab, nicht
ausgerechnet dreimal, wie Cäsar, sondern einmal; denn es war mir
Ernst mit der Ablehnung. Aber sie bestanden einstimmig darauf, und da
hab' ich angenommen. Mit Zaudern und Bangen freilich. Aber es ist
gegangen! Gut ist's gegangen! Was ich mit der Kunst wollte, das
war den Leuten neu. Man behandelt die Kunst gewöhnlich wie
der Spießbürger seine Frau; auf allen öffentlichen
Banketten feiert er sie als »Hort des Idealismus«; aber


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