Der Fremdling - Paul Enderling - Страница 1 из 241


Frühlingstage in Lima die Depesche des englischen Konsuls auf.
Die Depesche war lang und verursachte dem Beamten, der aus seinem
Nachmittagsschlaf gestört wurde, viel Kopfschmerzen und
ungewohnte Arbeit. Sie verkündete die gesetzliche
Todeserklärung des englischen Untertans und ehemaligen
Bergwerksdirektors Theodor Trautmann und die Freigabe seines
Vermögens an den gesetzlichen Erben und Sohn Pedro Trautmann in
Deutschland. Das Vermögen bestehe in Anteilen an den
Wismutbezirken bei Mororoca, an den Silbergruben bei Huantay, in
Einlagen bei der Limabank, in persönlichem Hausrat und Landbesitz
am Rio Purus. Die Depesche eilte bis zur chilenischen Hafenstadt
Iquique, um von dort auf dem unterseeischen Kabel längs der
südamerikanischen Küste bis Valparaiso zu fliegen. Hier
überquerte sie Südamerika und stieg bei Buenos Aires wieder
in das Kabel, um über den Atlantischen Ozean, durch den Kanal in
die Nordsee bis Emden zu gelangen. Dort nahm sie ein deutscher Beamter
in Empfang, um sie nach der norddeutschen Kreisstadt zu senden. Hier
steckte der Postbote Friedrich Wilhelm Omeyer das Papier in seine
abgeschabte Aktentasche und marschierte über die winddurchwehte,
vom Aprilschnee in Schmutz und Matsch versetzte Chaussee pflichtgetreu
nach dem Gut Wolfsheim. Unterwegs trat er in die Gastwirtschaft
»Zum lustigen Sommer« ein. Es donnerte und wetterleuchtete
verdächtig. Bald brach das Gewitter los. Er schielte nach der


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