Der schmale Weg zum Glück - Paul Ernst - Страница 1 из 416


wo um sieben Uhr schon Dunkelheit in den Stuben ist. Die
Großmutter saß still in ihrem Lehnstuhl am Ofen und
träumte im Halbschlummer von ganz alten Zeiten, als sie ein
junges Mädchen war und einen ungeschickten Freier auslachte.
Pollux lag auf der Seite vor dem warmen Ofen und schnarchte
plötzlich, wachte davon auf, klopfte mit dem Schwanz auf die
Dielen und legte sich wieder um. Ganz laut tickte die Wanduhr, wie sie
es am Tage nicht wagt. Der kleine Hans saß mäuschenstill
unter dem Tisch und stellte sich vor, dieser Tisch sei eine Stube, die
von allen Seiten verschlossen wäre, und da säße er in
der Mitte, und dann müßte nichts weiter auf der Welt sein
wie diese Stube. Dorrel ging in den Stall, und die Laterne warf
schnell einen Schein über die Decke und dann die Wand entlang
über die Spitzen der Rehgeweihe und über die
Gewehrläufe. Dann hörte man, wie der Melkeimer klirrte und
wie sie mit der Kuh zankte, die Elsbeth hieß, und zuletzt
hörte man das Melken. Die Tür ging auf und die Mutter
trat mit der Lampe herein. Die Großmutter nahm schnell ihr
Strickzeug in die Höhe und sagte, daß sie gar nichts mehr
habe sehen können, denn sie wollte es nicht Wort haben, daß
sie geschlafen. Dann deckte die Mutter mit dem leinenen Tischtuch, das
aus selbstgesponnenem Flachs gewebt war und in der Mitte eine Naht
hatte, und der kleine Hans unter dem Tisch saß jetzt viel
heimlicher, sah auf die raschen Füße der Mutter und


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