Die Taufe - Paul Ernst - Страница 1 из 312


Die Taufe In den stattlichen Räumen des Schlosses, das Herr
v. Brake sich gekauft, war die Hochzeit seiner Tochter gefeiert, bei
welcher, wie wir wissen, so viele schöne Geschichten erzählt
wurden. Nun waren wieder Vorbereitungen für ein Fest getroffen;
man kann sich leicht denken, daß es dieses Mal einer Taufe galt:
das junge Paar hatte das erste Kind bekommen, einen prächtigen
Knaben. Wir erinnern uns, daß Herr v. Brake nicht so ganz
zufrieden mit seinem Schwiegersohn war. Desto glücklicher war er
nun über den kleinen Enkel, denn er dachte sich, daß der
nun ihm alle die Erwartungen erfüllen werde, in denen der
Schwiegersohn ihn doch enttäuscht hatte. Zwischen Hochzeit
und Taufe aber war viel geschehen: der Weltkrieg war ausgebrochen. Der
junge Gatte, der eben eine außerordentliche Professur erlangt,
hatte den Offiziersrock anziehen müssen, war in Flandern und
Frankreich, in Polen und Serbien gewesen und weilte nun mit einem
kurzen Urlaub bei seiner Familie; Herr v. Brake hatte seine Fabrik
umgestaltet und verfertigte nicht mehr Regenschirmgestelle, sondern
Feldflaschen aus Aluminium mit Filzbezug; der andere Neffe, der sich
inzwischen gleichfalls verheiratet, war mit einer leichten Verwundung
und dem Eisernen Kreuz zurückgekehrt; einige der fernerstehenden
Gäste, welche an der Hochzeit in Frack und Binde teilgenommen
hatten, waren zur Taufe in Feldgrau erschienen, und manche fehlten


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