Ein Credo - Paul Ernst - Страница 1 из 509


fester Zusammenhang zwischen Kunst und Leben eines Künstlers. Am
einfachsten einzusehen ist dieser Zusammenhang wahrscheinlich bei den
Malern. Bei den Dichtern hat man eigentlich noch nicht mehr
Feststellungen gemacht, wie über den Zusammenhang zwischen dem
Rhythmus des Verses und der Körperlichkeit des Dichters. Man hat
bei den Malern festgestellt, daß jeder unbewußt seinen
gemalten Gestalten die Verhältnisse seines eigenen Körpers
gibt. Seine Gestalten haben alle eine Familienähnlichkeit, und
zwar gleichen die männlichen Figuren dem Maler selber, und die
weiblichen dem weiblichen Wesen, das ihm entspricht, das die ihn
erfüllende Geliebte oder Gattin ist. Das geht so weit, daß
man hat behaupten können, Rubens habe die Helene Fourment gemalt,
bevor er sie überhaupt gesehen habe. Die Schwierigkeit bei den
Dichtern rührt daher, daß die Dichter ja die innere Gestalt
des Menschen bilden, wie die Maler die äußere, und die
innere Gestalt ist eben schwerer zu bilden. Aber wenn man den Blick
dafür hat, so wird man bei den Dichtern genau dasselbe sehen, wie
bei den Malern. Auch der Dichter stellt in seinen männlichen
Gestalten immer sich selber dar, in seinen weiblichen die ihm
bestimmte weibliche Gestalt, die er denn auch im Leben sucht. Beim
Dichter ist die Sache dadurch noch mehr verwickelt, daß er ja in
den weitaus meisten Fällen Kämpfe zwischen den Wünschen
darzustellen hat, also Gestalten, die einander feindlich gesinnt sind;


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