Grün aus Trümmern - Paul Ernst - Страница 1 из 186


Volksblattes ging in seinem Arbeitszimmer wütend auf und ab,
stöhnend und zuweilen mit dem Fuß auf den schmutzigen,
feuchten Fußboden stampfend. Er hielt sich die Backe. Das
Zimmer war lang und schmal. Am Fenster stand der lange Schreibtisch,
auf dem Zeitungen und sonstige Druckschriften aller Art staubig
aufgehäuft lagen. Nur ein kleiner Raum auf ihm war frei zum
Schreiben; da lag der angefangene Leitartikel, standen Tintenfaß
und Kleistertopf. Ein Rohrstuhl aus gebogenem Holz, abgegriffen,
durchgesessen, stand davor. Dann war da noch in einer Ecke ein
emailliertes Waschbecken in eisernem Ständer, dahinter ein sehr
schmutziges Handtuch an der Wand. An der Tür an Haken Hut, Rock
und Manschetten. Die Nebentür öffnete sich. Ein Mann von
etwa fünfzig Jahren, mit blondem, etwas angegrautem Vollbart sah
durch die Spalte. Er fragte: »Was ist Ihnen denn, Herr
Doktor?« Dr. Lewandowsky, der Schriftleiter, ein
verwachsener Mensch von etwa dreißig Jahren, mit unordentlichem
Kopfhaar und Bart, übernächtig, verdrossen, erwiderte kurz:
»Zahnschmerzen! Zahnschmerzen!« Er stampfte mit dem
Fuß auf. »Verdammte Bude! Ihr Fenster schließt
nicht. Beständig hat man Zug!« Der Andere trat in das
Zimmer und untersuchte das Fenster. »Es
schließt ganz fest. Ich kann nichts spüren.«
»Aber ich spüre es. Das genügt mir«, erwiderte
Dr. Lewandowsky. »Weshalb lassen Sie nicht ein Doppelfenster


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