Gedichte - (Hermann) Ferdinand Freiligrath - Страница 1 из 96


            Ihr alle, mein
ich, habt gehört von jenem seltnen Eispalast!
Auf der gefrornen Newaflut auf starrte der gefrorne Glast!
Dem Willen einer Kaiserin, der Laune dienend einer Frau,
Scholl' über Scholle stand er da, gediegen Eis der ganze
Bau! Um seine blanken Fensterreihn, um seine Giebel pfiff es
kalt:
Doch innen hat ihn Frühlingswehn und hat ihn Blumenhauch
durchwallt!
Allüberall, wohin man schritt, Musik und
Girandolenglanz,
Und durch der Säle bunte Flucht bewegte wirbelnd sich
der Tanz! Also, bis in den März hinein, war seine
Herrlichkeit zu schaun;
Doch – auch in Rußland kommt der Lenz, und auch
der Newa Blöcke taun!
Hui, wie beim ersten Sturm aus Süd der ganze schimmernde
Koloß
Hohl in sich selbst zusammensank, und häuptlings in die
Fluten schoß! Die Fluten aber jauchzten auf! Ja, die der
Frost in Bande schlug,
Die gestern eine Hofburg noch und eines Hofes Unsinn trug,
Die es noch gestern schweigend litt, daß man ihr auflud
Pomp und Staat,
Daß eine üpp'ge Kaiserin hoffärtig sie mit
Füßen trat: – Dieselbe Newa jauchzt' empor!
Abwärts mit brausendem Erguß,
Abwärts durch Schnee und Schollenwerk schob sich und
drängte sich der Fluß!
Die letzten Spuren seiner Schmach malmt' er und knirscht' er
kurz und klein –


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