Gesamtwerk, Band 1-3 - (Hermann) Ferdinand Freiligrath - Страница 1 из 38


Nennung ihrer Namen im Geiste wie auf dem Piedestal ihres Ruhmes;
augenblicks hat man ihre Werke und deren Bedeutung gegenwärtig.
Nennt man den Namen Freiligrath, so weiß man ohne
Besinnen, daß er der echteste Volksdichter Deutschlands und als
solcher der bedeutendste und eigenartigste unter unseren neueren
Dichtern ist. In dieser Hinsicht und auch an Popularität ist er
uns, was Béranger dem neueren Frankreich, wie verschieden auch
sonst der Charakter beider Poesien sei. Gleich Bérangers
Chansons sind auch Freiligraths Lieder nur in Verbindung mit der
lebendigen Gegenwart und dem öffentlichen Leben seiner Zeit zu
würdigen, denn dadurch gewannen sie bei dem einen wie dem andern
im Munde und Herzen des Volks ihre mehr als bloß literarische
Bedeutung. Hermann Ferdinand Freiligrath, am 17. Juni 1810 zu
Detmold in Westfalen geboren, war der einzige, seine jüngeren
Geschwister überlebende Sohn eines Schullehrers aus dessen erster
Ehe. Im siebenten Jahr verlor er seine Mutter, und der Vater heiratete
danach ein zweites Mal. Neben dem gewöhnlichen Schulunterricht
war der Archivrat Clostermeier, der Schwiegervater des Dichters
Grabbe, von Einfluß auf seine Jugendbildung durch
Privatunterricht und vielfache Anregungen im Verkehr mit ihm und
dessen Familie. Mit sechzehn Jahren kam Freiligrath, wohl sehr gegen
seine innerste Neigung, in die kaufmännische Lehre zu einem
Verwandten in Soest. Bestimmend bei der Wahl dieses Berufs war die


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