Venus und Adonis - (Hermann) Ferdinand Freiligrath - Страница 1 из 41


Ferdinand Freiligrath 1849 (Aus: Ferdinand Freiligrath,
Gesamtwerk, Band 9) Als von dem weinenden Morgen schied die
Sonne
Mit Purpurantlitz, eilt' Adonis schon,
Der rosenwangige, zu des Jagens Wonne;
Jagd liebt' er, doch der Liebe lacht' er Hohn.
Von Liebe siech, tritt Venus ihm entgegen
Und wirbt um ihn, wie kecke Werber pflegen. »Du,
dreimal schöner, als ich selbst,« begann
Die Liebliche mit buhlerischem Kosen,
»Süß über alles, holder als ein Mann,
Mehr weiß und rot, als Tauben sind und Rosen;
Sich selbst besiegend, da sie dich vollendet,
Sagt die Natur, daß mit dir alles endet.
»Geruh', du Wunder, dich vom Roß zu schwingen,
Und an den Sattelbogen festzuzäumen
Sein stolzes Haupt; zum Lohn von tausend Dingen
Erfährst du auch, so süßen als geheimen.
O, komm – dies Moos birgt keiner Schlange Tücke!

Daß ich mit meinen Küssen dich ersticke.
»Und fürchte nicht, verhaßte Sattheit müsse
Den Mund dir schließen; nein, im Überfluß
Soll er noch hungern, wundgeküßt: zehn Küsse
Wie einer kurz, wie zwanzig lang ein Kuß.
Ein Sommertag muß einer Stunde gleichen,
Läßt unter solchem Spiel man ihn
verstreichen.« Mit dem ergreift sie seine schweiß'ge
Hand,
Die Botin seiner Kraft und Männlichkeit.
»'s ist edler Balsam,« zittert sie,


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