Ein Vermächtnis - Anselm Feuerbach - Страница 1 из 188


»Vermächtnis« Anselm Feuerbachs, das hier in neuer
Ausgabe vorgelegt wird, ist zum klassischen Werk geworden. Seit dem
Zeitpunkte, da sich des Meisters Geschick erfüllte, dessen
tragischer Lauf dem persönlichsten aller selbstbiographischen
Bücher der deutschen Literatur eine allgemeine
menschlich-herzliche Teilnahme zuspricht, fand endlich der Deutsche
den Weg zu der reinen Schönheit seiner Kunst. Auf der deutschen
Jahrhundertausstellung wandelte sich die stille Verehrung zur freudig
sich aussprechenden Begeisterung, die Feuerbachs Namen nennen will
zusammen mit den großen Meistern des vergangenen Jahrhunderts.
Sein Werk steht für sich, wie in einem eigenen Tempel gewahrt vor
den herausfordernden Blicken der Menge, Menschen allein
zugänglich, die in der rhythmischen Gliederung und der
harmonischen Ruhe des künstlerischen Eindrucks die
bedeutungsvolle Schönheit künstlerischen Lebens und
künstlerischer Tat zu fassen geneigt sind. Wundersam
schließt sich die persönlich-menschliche Erscheinung des
Genius, je weiter wir uns von der Grenze seines irdischen Daseins
entfernen, immer einheitlicher zusammen mit seinen Schöpfungen,
und, wie dieser Zusammenschluß ständig fester und
dauerhafter wird, so gewinnt das Buch, das die Enttäuschungen des
Lebens in schmerzlicher Mahnung kündet, an unpersönlichem,
ethischem Gehalt. Es erhebt sich über die Tragik des einzelnen
Schicksals, dessen Verherrlichung es vor einem Menschenalter hatte


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