Zenobi - Efraim Frisch - Страница 1 из 198


er sei. Der über mittelgroße Mann von schwer bestimmbarem
Alter, das jugendlich angegraute Haar nach der letzten Mode
geschnitten, das lange, faltige Gesicht aufs sorgfältigste
rasiert, die biegsame elegante Figur ein klein wenig im
Äußeren vernachlässigt, wie es sich nur die ganz
Vornehmen erlauben dürfen, war eine bekannte Erscheinung. Wenn
jemand auf ihn aufmerksam geworden – und er erregte stets solche
Aufmerksamkeit – bei Gelegenheiten, da Neugierige sich
ansammeln, oder in Räumen, wo viele Menschen ab und zu gehen,
einen Dienenden oder Bekannten nach ihm gefragt hätte, so
würde er sicherlich einen Namen gehört haben, von jenen
bevorzugten Hundert, die man in einer Großstadt berühmt
heißt, angefangen von einem gerade beliebten Filmschauspieler
bis zu einem populären Mitglied der Aristokratie. Und wäre
der Fragende einmal umgekehrt der Gefragte gewesen, so hätte
er bestimmt oder ungefähr irgendeinen dieser hundert Namen
genannt, ohne Verlegenheit und mit mehr als halber Gewißheit
überzeugt, eine richtige Auskunft gegeben zu haben; vielleicht
auch, weil er es schmeichelhaft für sich empfand, den Mann vom
Sehen wenigstens zu kennen, und Genugtuung, seinen Namen zu wissen.
In Wahrheit aber wußte Zenobi, so alt er war, selbst nicht
mehr, wer er war, und damit hatte es seine eigene Bewandtnis.
Zenobi war in einem Winkel der südslawischen Provinz des Reiches,
nachdem er früh seine Eltern verloren hatte, von wohlhabenden


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