Alwin - Friedrich de la Motte Fouqué - Страница 1 из 333


Rudolph. Von dem Wettterfähnlein kreischt es herunter, die Eichen
fangen zu rauschen an. Lege mehr Holz an den Heerd, Alwin. Der
schöne Jüngling that, wie ihm geheißen war, und
indeß er sich über die Flamme hinbog, sagte die Mutter:
lauter Gluth ist's doch, so ein Jünglingsgesicht. Man sollte
denken, in den Wangen und in den Augen sei das Feuer. Das auf dem
Heerde nähre sich nur davon. Du sprichst ja wie die alte,
wunderliche Handschrift, erwiederte der Greis. Soll ich draus 4
vorlesen? fragte Alwin. Die Aeltern nickten ihm zu, und er hohlte aus
einem eichnen Wandschrank die Papiere hervor, daran der kleine Cirkel
sich bisweilen zu ergötzen pflegte, vorzüglich zur Herbst-
und Winter-Zeit, wenn die Abende lang wurden. Alwin zeigte sich
alsdann besonders vergnügt, und die Mutter hatte oft ihre
Bemerkungen darüber, wie ein so jugendliches Gemüth, lieber
die fallenden Blätter sehen möge als die knospenden. Der
Alte pflegte darauf zu erwiedern: Jedermann seine eigne Weise, und im
Grunde war es der Mutter nicht unlieb. So blieb Alwin ihr gerne
daheim, und wenn er sich auch einmal in das nahe Harzgebirg verstieg,
pflegte er doch nicht um die gesellige Abendstunde zu fehlen, wenn es
ans Lesen der alten Handschrift ging. Diese hatte man zufällig in
dem alten Schlosse gefunden, in demselben 5 Wandschrank, woraus sie
Alwin jetzt hervor nahm, und zu lesen begann: Es war aber
seines Stammes Geist über den jungen Herrn Kunrath gekommen,


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