Das Schauerfeld - Eine Rübezahlsgeschichte - Friedrich de la Motte Fouqué - Страница 1 из 17


Rübezahlsgeschichte Am Fuße des Riesengebirges, in einer
blühenden schlesischen Landschaft, hatten sich, einige Zeit vor
dem Westfälischen Frieden, unterschiedliche Verwandte in die
Erbschaft eines reichen Bauern zu teilen, der ohne Kinder verstorben
war und dessen mannigfache Grundstücke hier und dort durch die
fruchtbare Gegend hin zerstreut lagen. Man kam zu diesem Endzwecke in
einer Schenke des Hauptdorfes zusammen und wäre bald über
die Anordnung des Teilungswesens einig geworden, hätte es nicht
unter der Nachlassenschaft einen wunderlichen Acker gegeben, welcher
das Schauerfeld geheißen war. Dort blühete es von vielen
Blumen und war mannigfach wucherndes Gesträuch aufgeschossen,
allzumal des Bodens kräftige Fruchtbarkeit bezeugend, aber
ebensosehr dessen Vernachlässigung und Verödung beurkundend.
Denn seit vielen Jahren war keine Pflugschar drüberhingezogen,
seit vielen Jahren keine Saat darauf gefallen. Oder hatte man
desgleichen ja hin und wieder versucht, so waren die Stiere unter dem
Joch in eine unbegreifliche Wut geraten, und selbst die Ackerknechte
und Säeleute hatten den Platz mit wildem Entsetzen geräumt,
beteuernd, es ziehen dort gräßliche Gestalten umher, die
sich in furchtbarer Vertraulichkeit zu den Arbeitern gesellten, so
daß kein menschlicher Sinn davor ausdauern könne und einem
schon immer der Wahnwitz drohend über die Schulter blicke. Wer
nun die verrufne Stelle in seine Erbschaft mit aufnehmen sollte, das


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