Seefahrt ist not! - Gorch Fock - Страница 1 из 307


Laßt mich nur auf meinem Sattel gelten,
bleibt in euern Hütten, euern Zelten,
und ich reite froh in alle Ferne –
über meiner Mütze nur die Sterne.
Goethe Erster Stremel »Insonderheit
aber bitten wir dich für die, die auf dem Wasser ihre Nahrung
suchen. Segne, segne die Fischerei auf der See und im Fluß,
behüte Mann und Schiff in allen Gefahren!« Pastor
Bodemann beugte den grauen Kopf tiefer als zuvor. Da hatte er laut und
warm für seinen alten Kaiser gebetet, laut und warm, wie es ihm
von Herzen kam, nicht leise und kalt wie sein Vorgänger, ein
zäher Welfe, der nur der kirchlichen Vorschrift nachgekommen war:
»Laß deine Gnade groß werden über deinem Knecht
Wilhelm, unserem Kaiser und Herrn, und über dem ganzen
kaiserlichen Haus.« Die gefurchte Stirn berührte fast
das schwarze Tuch, mit dem die Kanzel vom Sonntag Reminiszere bis zum
stillen Freitag bedeckt war. Es schien, als wenn die Stimme ihm
versagte und er aufhören müßte. Und er hielt
überwältigt inne und ließ die große Stille
kommen. Totenstill wurde es in der Kirche auf Finkenwärder.
Regungslos saß die Gemeinde. In die Augen kam eine Dunkelheit
wie von aufsteigenden Tränen. Denn die See nahm das Wort, die
Nordsee, die Mordsee – mit ihren jagenden, zerrissenen Wolken,
mit ihrem pfeifenden, brausenden Sturm, mit ihren haushohen,
schäumenden, brüllenden Seen, mit Brand und Wetterleuchten,


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