Aus dem Durchschnitt - Gustav Falke - Страница 1 из 300


Meinem Bruder Albert gewidmet. I. Dem
undurchdringlichen Nebel des Märzabends war eine Frostnacht
gefolgt. An der Ecke der Gärtnerstraße und des
Durchschnitts, in einem östlichen Vororte Hamburgs, hatte am
Morgen darauf die Glätte des übereisten, abgenutzten
Straßendammes ein Opfer gefordert. Ein Droschkenpferd war so
unglücklich gestürzt, daß an eine Rettung des
gutgepflegten, wertvollen Tieres nicht zu denken war. Beide
Vorderbeine waren dem Dunkelbraunen gebrochen. Schweißbedeckt,
mit heftig arbeitenden Lungen, lag er in dem Kreis der schnell
zusammengelaufenen Gaffer. Der Kutscher, ein älterer Mann,
stand in dumpfer Resignation dabei. »Dat verdammte Jis,
dat verdammte Jis«, wiederholte er nur immer. Ein Schlachter
drängte sich durch die Menge: »Na, Beuthien, is he
henn?« »To'n Dübel is he«, brach der
verhaltene Grimm des Angeredeten los. Er warf die Peitsche mit einem
Fluch auf die Erde und machte sich daran, den keuchenden Gaul von
allem Geschirr zu befreien. Der Frager und ein junger
kräftiger Mann, dessen frisches, wettergebräuntes Gesicht
unverkennbare Aehnlichkeit mit dem Kutscher aufwies, waren dem hart
Betroffenen behilflich. »Harst doch man Liesch nohmen,
Vadder«, meinte der junge Mann. »Schnack morgen
klok«, war die verbissene Antwort. In dem Knaul der sich
noch immer vermehrenden Zuschauer hielten sich Mitleid, Neugier und


-10     пред. Страница 1 из 300 след.     +10