Der Mann im Nebel - Gustav Falke - Страница 1 из 172


Ausreisser. Nach wie vor führt mich mein Berufsweg zweimal in der
Woche an Ihrem alten Heim vorüber, und ich werfe betrübte
Blicke nach dem Eckfenster hinauf. Wie schön war's da oben: ich
auf Ihrem breiten etwas eingesessenen Sofa, Sie mir gegenüber auf
dem Stuhl, zwischen uns auf dem bücherbeladenen Tisch eine Tasse
Kaffee, ein Glas Bier oder ein Aquavit. Und dann ging's los, über
Literatur, Kunst und tausend Sachen. Und Ihre alte Wirtin, die
Frau Obersteuerkontrolleurswitwe, der man diesen imponierenden Titel
nicht ansah, mit ihrem roten Gesicht, ihrer etwas
waschfrauenmässigen Hausuniform und ihrer hastigen, stossenden
Sprechweise. Und das einzige Likörglas, das kleine blaue
Henkelglas, worin sie einer ganzen Korona Aquavit kredenzte, von Mund
zu Mund: »Is nich'n hübsches Glas? Is aus
Travemünde. Hab ich selbst mitgebracht. Hübsches Glas. Ist
es nich? Aus Travemünde. Hab'n Schwester da, wissen Sie. Ja, 'n
Schwester.« Sie lässt bestens grüssen. Sie hat
jetzt ihre beiden Zimmer an einen Zöllner vermietet, einen jungen
»soliden« Menschen. Sie wissen, die Frau Kontrolleur gibt
viel auf das Solide. Na, in Punkto Solidität. Unsolide
waren wir nicht. Aber der Zöllner wird uns über sein.
Ich vegetiere nun schon eine ganze Zeit lang so hin. Kein Vers, keine
Zeile. Lyrisch alles tot. Was Sie über meinen letzten Roman
schrieben, hat mich sehr erfreut. Ja, es steckt viel Beobachtung


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