Die Kinder aus Ohlsens Gang - Gustav Falke - Страница 1 из 335



Erstes Buch Erstes Kapitel Alle diese verräucherten
und verwitterten Häuser, die sich in dem engen
Sackgäßchen zusammendrängten, wie gebrechliche Greise
in einem Alterswinkel, die sich gegenseitig stützen und
wärmen und die alten Köpfe voll von Erinnerungen eines
langen Lebens zusammenstecken, auch im Schweigen noch mit dem beredten
Ausdruck eines nachdenklichen Gemütes – alle diese
altersschwachen, schiefen, halb in sich zusammengesunkenen Häuser
waren Heimstätten menschlichen Glückes und menschlichen
Elendes, Heimstätten der Hoffnung und Heimstätten der Sorge.
Wenn man von der lichtüberfluteten Hafenstraße mit
ihrem nimmerruhenden Lärm der Straßenbahn, der
Rollfuhrwerke, des rastlos auf und ab wogenden Welthandels, durch den
niederen Torweg in dieses dämmerige Gäßchen hineinsah,
erschien es freilich nichts weniger als heimisch und wohnlich. Man sah
dann auch seinen schönsten Schmuck nicht, den Kirchturm von St.
Michael, der im Hintergrund über die niedrigen Häuschen
schlank und schön in den Himmel stieg. Zu Zeiten konnte der
schmale Torweg sogar einen unheimlichen Eindruck machen, wenn der
dunkle Abend von hier seinen Ausgang zu nehmen schien, und die einzige
Laterne, die ihn erhellte, noch nicht ihren traulichen Schimmer auf
die schmutzigen Wände und das schadhafte Pflaster warf. Oder wenn


-10     пред. Страница 1 из 335 след.     +10