Gedichte - Gustav Falke - Страница 1 из 92


      Ich träumte mich auf einem bangen
Weg,
auf einem hohen, schwindelschmalen Steg,
der führte mich bis an das Himmelstor.
Da stand ich lange, ohne Mut, davor. Und zitternd
griff ich nach dem rost'gen Ring,
das Himmelsglöcklein an zu läuten fing;
mein Herz erschrak vor seinem hellen Klang,
ein armer Sünder auf dem letzten Gang. Dann
rasselte ein großer Schlüsselbund,
ein Knarren, bis der Himmel offen stund;
doch hascht' ich nur von seiner Herrlichkeit
mit scheuem Blinzeln einen Streifen breit, ein
Wiesengrün und einen Engelsfuß.
Sankt Peter barg mir jeden weitern Gruß
mit breitem Rücken und erschreckte mich
mit barschen Fragen: »Freund, wer schickte
dich?« »Mich schickte keiner.«  
»Und was suchst du hier?«
»Nach Erdennot ein ruhiges Quartier,
ein Flügelpaar und himmlisches Gewand,
ein Tröpfchen Tau aus Gottes hohler Hand.«
»Hast du zu solchen Dingen auch ein Recht,
warst du auf Erden ein getreuer Knecht?«
»Ich war Poet.«   »Und kommst zu
Fuß hier an?
Wo hast du deine Flügel hingetan?«
»Ich schämte mich, weil sie so sehr beschmutzt
und ihre schönsten Federn arg gestutzt,
weil durch das Fliegen nach dem Flitterkranz
des Menschenruhmes dunkel ward ihr Glanz.«


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