Herr Purtaller und seine Tochter - Gustav Falke - Страница 1 из 147


raschen, zappelnden Verbeugungen, bevor er sich auf den angebotenen
Stuhl in Frau Köpkes Wohnstube niederließ; als er
saß, verneigte er sich noch ein viertes Mal. Frau
Köpke, die breit und behaglich ihm gegenüber Platz genommen
hatte, hielt eine nicht sehr saubere Visitenkarte zwischen ihren
fleischigen Fingern. Eine leise Enttäuschung zeigte sich auf
ihrem runden, gutmütigen Gesicht, während sie ihre hellen
Augen zwischen der Karte und ihrem Besucher hin- und herwandern
ließ. »Hier steht ›Kand‹ vor Ihrem
Namen. Heißen Sie so?« fragte sie. Herr Purtaller
konnte seine Heiterkeit nicht bezwingen. »Das heißt
Kandidat,« erwiderte er lächelnd. »Kandidat
Purtaller.« »So, so.« »Ja. Ich bin
nämlich von Haus aus Theologe.«
»So–o–.« »Ja. Ich habe auch schon
auf der Kanzel gestanden. Ja. Kennen Sie Harnack? »Wie
heißt der Mann?« »Harnack, der berühmte
Harnack.« »So, den,« sagte Frau Köpke,
obgleich sie keine Ahnung hatte, wer das sei. »Ja, den.
Ich besitze ein Buch von ihm, mit eigenhändiger Widmung.«
Herr Purtaller bemühte sich, von oben herab auf sein
Gegenüber zu sehen: was sagst du nun? »Wie
interessant,« sagte Frau Köpke. »Nicht wahr? Es
ist ein Schatz für mich!« rief Herr Purtaller.
»Und warum sind Sie denn nicht auf der Kanzel geblieben?«
fragte Frau Köpke. »Ich eignete mich nicht


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