Die Ahnen - Gustav Freytag - Страница 1 из 2538


Berghöhe stand an dem Verhau, das die Wälder der
Thüringe von den Katten schied, der junge Wächter und
hütete den steilen Pfad, welcher aus den Gründen der Katten
nach der Höhe führte. Über ihm ragte der Wipfel einer
mächtigen Buche, nach beiden Seiten lief der Grenzzaun den Kamm
der Berge entlang, in dem dichten Gestrüpp blühten die
Brombeeren und die wilde Rose. Der Jüngling trug den Wurfspeer in
der Hand, auf dem Rücken am Riemen ein langes Horn,
nachlässig lehnte er an dem Baum und horchte auf die Stimme des
Waldes, den pickenden Specht oder das leise Rasseln in den Zweigen,
wenn sich ein Waldtier durch das Dickicht wand. Zuweilen sah er
ungeduldig nach der Sonne und wandte den Blick zurück, wo hinter
ihm in ferner Tallichtung Blockhäuser und Gehege für
Herdenvieh lagen. Plötzlich bog er sich vor und lauschte; auf
dem Pfad vor ihm klang leiser Fußtritt, durch das Baumlaub wurde
die Gestalt eines Mannes sichtbar, der mit schnellem Schritt zu ihm
heraufstieg. Der Wächter drehte den Riemen des Hornes und
faßte den Speer zum Wurfe; als der Mann aus dem Gehölz auf
den freien Grenzrand trat, rief er ihn an, die Spitze des Wurfspeers
entgegenhaltend: »Steh, Waldgänger, und singe den Spruch,
der dich von meinem Eisen löst!« Der Fremde schwang sich
hinter den letzten Baum seiner Seite, streckte die geöffnete
Rechte vor sich und sprach hinüber: »Ich grüße
dich friedlich, ein Landfremder bin ich, unkundig der Losung.«


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