Elemente der Psychophysik Teil 1 - Gustav Theodor Fechner - Страница 1 из 543


Psychophysik verstehe ich gemäß der, im 2. Kapitel
ausführlicher gegebenen, Erklärung eine Lehre, die, obwohl
der Aufgabe nach uralt, doch in Betreff der Fassung und Behandlung
dieser Aufgabe sich hier insoweit als eine neue darstellt, daß
man den neuen Namen dafür nicht unpassend und nicht unnötig
finden dürfte, kurz eine exakte Lehre von den Beziehungen
zwischen Leib und Seele. Als exakte Lehre hat die Psychophysik wie
die Physik auf Erfahrung und mathematischer Verknüpfung
erfahrungsmäßiger Tatsachen, welche ein Maß des von
der Erfahrung Gebotenen fordert, zu fußen, und, soweit solches
noch nicht zu Gebote steht, es zu suchen. Nachdem nun das Maß
bezüglich der physischen Größen schon gegeben ist,
wird die erste und Hauptaufgabe dieser Schrift die Feststellung des
Maßes bezüglich der psychischen Größen sein, wo
es bisher noch vermißt war; die zweite, auf die Anwendungen und
Ausführungen einzugehen, welche sich daran knüpfen. Es
wird sich zeigen, daß die Feststellung des psychischen
Maßes keine bloße Sache des Studiertisches oder
philosophischen Apercus ist, sondern eine breite
erfahrungsmäßige Unterlage fordert. Diese glaube ich hier
nach fremden und eigenen Untersuchungen insoweit zulänglich
gegeben zu haben, daß das Prinzip des Maßes sicher
gestellt ist, von den Anwendungen aber so viel, daß auch der
Nutzen dieses Maßes anzuerkennen sein wird. Doch bedarf die
erfahrungsmäßige Unterlage zur Entwickelung der


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