Gedichte - Gustav Theodor Fechner - Страница 1 из 48


Keller
Zu kaufen, reicht hin nicht mein Heller,
Doch will ich euch, Zecher, bescheren
Von einer Traube die Beeren. 1. Die Erde gibt den Saft,
Die Lüfte geben Kraft,
Die Sonne gibt den Geist:
Gar schön der Wein beweist,
Was er empfing für Leben,
Weil er’s kann wiedergeben. 2. Wer trinken will den
Wein,
Der sitze nicht allein,
Der Wein hat keine Kräfte
Bei einsamem Geschäfte. Der Teich, das Meer sich freut
Ob seiner Einsamkeit:
Nicht lernte diese Tugend
Der Wein in seiner Jugend. Es ragen im Verband
Die Berge in das Land
Und drauf die grünen Reben
Führ’n ein gesellig Leben. Und an der Rebe
hängt
Dicht Traub’ an Traub’ gedrängt,
Und jede Traub’ im Kleinen
Ein Völkchen will erscheinen. So, was den Wein erschafft,
Lebt schon in Brüderschaft;
Ihn endlich zu gebären,
Vereint die Säfte gähren. Das ist dem Wein
geblieben,
Die Nachbarschaft zu lieben,
Drum, stellt ihr ihn allein,
Macht’s euch und ihm nur Pein. Viel Fässer in den
Kellern,
Viel Gläser vor den Tellern,
Viel Herzen rings im Bund,
Das macht den Wein gesund. 3. Es stritten zwei mächtige
Geister,
Wer in dem Schaffen sei Meister;
Der eine schuf Meere,
Der andre am Weinstock die Beere. Der schuf im Meere die
Fische,
Darunter auch Austern, ganz frische;


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