Verschiedene Essays - Gustav Theodor Fechner - Страница 1 из 486


Leipzig, 1846. Druck und Verlag von Breitkopf und Härtel. I.
Unter höchstem Gut verstehe ich den Endzweck, auf den alles
Denken und Handeln, Dichten und Trachten des Menschen hinzielen soll,
und zwar nicht nur des einzelnen, sondern in bezug auf welchen sich
auch das aller Menschen vereinigen soll. Mit der Bestimmung desselben
ist zugleich das höchste Sittenprinzip bestimmt. Man hat dieses
höchste Gut wie das darauf gerichtete Handeln unter verschiedene
Ausdrücke zu fassen gesucht, als: Gott zu Willen handeln, Gott
ähnlich werden, Gott erkennen, Gott lieben, vernünftig
handeln, naturgemäß handeln, sich als Glied des
(organischen) Ganzen fühlen, dem man angehört; im Sinne und
zur Erhaltung desselben handeln; die wahre Bestimmung des Menschen
erfüllen, die wahre Bestimmung der Dinge erfüllen, für
seine eigene Lust handeln, für anderer Lust handeln,
möglichste sinnliche Lust, möglichste geistige Lust, ruhige
Lust, bewegte Lust suchen, und was dergleichen mehr ist. Bei den
meisten dieser Formeln ist nicht unmittelbar verständlich, was
damit gesagt sein soll; denn, was heißt Gott zu Willen handeln,
Gott ähnlich werden, Gott lieben; was ist Sache der Vernunft; was
ist naturgemäß; was ist der Sinn des Ganzen, dem man
angehört? usw. Vielleicht wollen alle diese Prinzipe faktisch
dasselbe, jedes bloß in einer andern Sprache, ja gewiß
wollen alle faktisch dasselbe, denn alle sind nach der vorhandenen


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