November - Gustave Flaubert - Страница 1 из 129


Montaigne Ich liebe den Herbst; seine Traurigkeit
stimmt gut zu Erinnerungen. Wenn die Bäume entlaubt sind, wenn
der Abendhimmel noch in den tiefroten Farben glüht, die einen
goldigen Schein über das Heu werfen, dann sieht man mit
Entzücken alles verlöschen, was jüngst noch im Herzen
brannte. Eben komme ich von meinem Spaziergang über öde
Wiesen zurück, an kalten Gräben vorbei, in denen die Weiden
sich spiegeln. Ihre kahlen Zweige pfiffen im Winde; zuzeiten schwieg
er: dann setzte er plötzlich wieder ein; und nun erschauerten die
kleinen Blätter, die noch am Gesträuch hängen, das Gras
neigte sich zitternd zur Erde, alles bekam ein bleicheres und
kälteres Aussehen; am Horizont verlor sich die Sonnenscheibe
im weißen Himmel und erfüllte ihn ringsumher mit einem Rest
erlöschenden Lebens. Mich fror, und fast hatte ich Furcht.
Ich setzte mich in den Schutz eines kleinen Grashügels; der Wind
hatte sich gelegt; als ich so auf der Erde saß, nichts dachte
und in der Ferne den Rauch von Hütten aufsteigen sah, da stand
– ich weiß nicht warum – mein ganzes Leben wie ein
Phantom vor mir, und mit dem Duft des trockenen Heues, dem Geruch der
toten Wälder kam mir der bittere Geschmack längst
vergangener Tage zurück. Meine traurigen Jahre zogen an mir
vorüber, als fegte sie der Winter in gräßlichem Sturme
dahin. Irgendeine schreckliche Macht jagte sie durch meine Erinnerung,


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