Das Wunder in Holzschuhen - Heinrich Federer - Страница 1 из 12


habet Glück im Holz! Gott segne Euern Helmli!« Das
dürre, magere Holzweib klappert am Bruderklaus vorbei mit einer
leeren Hürde auf dem Rücken, und ihr Kleiner schwingt einen
Gertel, womit man das zähe Staudwerk blank durchhaut. Sie
verneigen sich. Wilhelmli gibt dem Bruder das Kusshändchen und
pfeift und jubelt weiter. Spurlos versinken die Zwei bald darauf im
Schatten und Getöse der Schlucht. Niklaus atmet auf. Nun
stört niemand mehr. Am frühen Nachmittag im Juli, so
zwischen eins und zwei, gibt es auf Erden keinen schönern Platz
als die Wiese im Ranft, die wie ein mit Gold und Smaragd bestreuter
kleiner schmaler Teppich zum Abgrund hinunterfällt. Diese Wiese
ist so klein, aber leuchtet auch so unglaubhaft schön in Gelb und
Grün, dass man sie wohl für einen Zitronenfalter halten
könnte, der sich am Abhang niederliess und von dem man
fürchtet, dass er jetzt, jetzt ... wieder auf und davon fliegt.
Doch nein, dies Stücklein Herrlichkeit bleibt. Die Sonne steht
scheitelrecht über ihr, so dass von den paar Bäumen die
Schatten nicht grosstun dürfen, sondern sich demütig wie ein
Wurm um den Stamm zusammenringeln. Licht, Lächeln, traumhaftes
Seligsein regiert. Wie aus Höflichkeit, nein, vielmehr aus
einem Takt ihrer Seelen rauscht die Melchaa leiser und melodischer
unten vorbei, und lösen die Stirnen des Gebirges ihre Runzeln und
bekommen etwas Weiches und Duftiges wie in ihren Kinderjahren. Die


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