Das letzte Stündlein des Papstes - Heinrich Federer - Страница 1 из 14


des Dritten Der grosse Innocenz lag am Nachmittag des heissen 16.
Juni 1216 im erzbischöflichen Palast von Perugia, auf
erhöhten Lagern, bei offenen Fenstern in den letzten Zügen.
Jäh war es über den blühenden Herrn gekommen und hatte
ihn aus grossen Plänen und einem Tisch voll noch nasser,
weltregierender Diktate ins Sterben geworfen. Eine Orange zur Unzeit,
Fieber, verwirrter Medikus und der Tod, das ging in einen halben Tag.
Er sah vom Kissen aus das Tibertal zu den Gesimsen heraufleuchten und
drüben die kleinen Stadtnestlein Assisi, Spello, Foligno und
Trevi von den Gebirgshängen winken. Aber reden, schreiben, auch
nur noch mit dem Finger deuten konnte der Sterbende nicht mehr. Steif
und still lag er da. Unter den Fenstern auf dem Pflaster hörte er
die Rosse trampeln, Wagen vorfahren, Eilboten im Galopp den Hügel
hinunter nach Rom rasen. Er hörte die Ärzte arabische
Phrasen gegeneinander schimpfen und dazu mit ihren langen Röcken
rauschen. Und das Hofgesinde und die Prälaten hörte er
flüstern: »Er ist aus reichem Haus und ein grosser Sparer
gewesen. Wer kennt sein Testament? Was vermacht er uns?« –
Und übel klang dazu, wie man sich schon um die Schlüssel zu
dieser und jener Truhe sorgte. Aber noch viel übler war das
fromme, ängstliche Durcheinander anzuhören: »Gott, was
wird aus unserer heiligen Kirche? – So jung der Kaiser, so
furchtbar der Muselman, so nötig unser Papst wie die Sonne am


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