Der Fürchtemacher - Heinrich Federer - Страница 1 из 65


»Probier noch einmal!« hetzte Bruder KlausNiklaus von
Flüe, 1417–1487, der berühmte Schweizer, lebte als
mächtiger Einsiedler die letzten zwanzig Jahre im Tobel der
Melchaa, dem Ranft. Der Amstaldenprozeß fällt ins Jahr
1478. und stemmte die etwas zerknitterten Ellenbogen in den
türlosen Eingang seiner Zelle. »Probier doch, ich bin noch
gar nicht müde.« Aber der Teufel hatte genug. Er stand
in respektvoller Entfernung vom Waldbruder, schlotternd und zerrauft
wie ein Hund, der unter die Wölfe geraten ist, und wischte sich
ganze Bäche Schweiß aus dem Gesicht. In Gestalt und Tracht
eines Landsknechts stand er da, ungeheuerlich groß, mit einem
Rumpf wie ein Ochse und mit einem Haupt wie ein Granitblock. Darin
brannten zwei große, rotgeränderte Augen in goldgelber,
aber besudelter Herrlichkeit. Die breiten und nackten Knie waren wie
Kupferschilde anzusehen, und unter den gespornten Stiefeln glomm ein
unaufhörliches Räuchlein empor. Er hatte den Bruder
Klaus, um den er als einen besonders gefährlichen Gegner
fleißig spionierte, vor kurzem am Schnitzeln eines Gekreuzigten
ertappt und ihm alles mögliche geleidwerkt, um das plumpe, aber
innige Bild Gottes zu verhindern. Er verdarb ihm das Holz, machte das
Messer stumpf, stupste den Künstler, daß er sich in die
Finger schnitt. Doch der zähe Obwaldner schnitzelte das Kreuz
doch fertig, und boshaft und rachsüchtig, wie selbst Heilige noch


-10     пред. Страница 1 из 65 след.     +10