Jugenderinnerungen - Heinrich Federer - Страница 1 из 514


gemeinten Kapitel sind dir, warme Erde meiner Jugend, liebes
Voralpenland Obwalden geweiht. Es bedarf keiner Entschuldigung,
weil ich, weder General, noch Diplomat, noch sonst eine
hochbeschrieene Person, dennoch aus tausend gewöhnlichen Leben
eines, das meinige, erzähle. Denn das gewöhnliche Leben ist
das wahrhaftigste Leben, da es fern von Schein und Seltsamkeit
wirklich nur Wirklichkeit geben kann. Die Ungewöhnlichen, so
grosse Spuren sie hinterlassen, haben am Ende doch – wenigstens
im literarischen Sinne – mehr für das Archiv, das Museum,
die Schulbank und den Spiegelsaal der Geschichte gelebt. Wo sie
fürs Leben leben, sind sie gleich uns schöne liebe
Gewöhnlichkeit, hassen und verehren, trotzen und sorgen und
lachen reicher wohl, echter nicht als wir. Ob einer Dörfler oder
Grossstädter, Klausner oder Weltflieger, Minister oder
Briefträger ist, was verschlägt das, wenn er nur auch wahrer
Mensch ist, dessen grosse und kleine Leidenschaften im Puls der
Menschheit mitklopfen, im Nerv der Menschheit mitbeben. Ja, wenn er
nur recht persönlich und treu seinen Kram auspackt, findet er
immer Kunden, wirkt nie zu neu und nie zu alt und so wenig verbraucht
als unser tausendmal erlebter stiller Mond am Himmel. Wer aber das
nicht gelten lässt, dem halte ich dich vor, liebe Heimat. Ich bin
nur ein Würmlein in deinem Boden. Wie könnte von ihm allein
geredet und Aufmerksamkeit gefordert werden, wenn du nicht dabei


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