Jungfer Therese - Heinrich Federer - Страница 1 из 356


aus Lachweiler 1 Vier magere Jünglinge und ein
fünfter dicker standen in sauber gebürsteten, langen,
schwarzen Fräcken mit den frischen Augen junger Eroberer vor
ihrem Bischof. Es war Vesperzeit. In schweren, tiefgoldenen Tropfen
rieselte die Sonne durch die hohen, engen Nischenfenster in das
Gemach. Das uralte Flügelaltärchen und der gewaltige
Glasschrank, voll lateinischer und griechischer Bücher, standen
schon in violetter Dämmerung. Aber auf dem Tisch in der Mitte des
Zimmers funkelten noch ein paar weiße Tassen und eine Zinnkanne,
woraus ein tröstlicher blauer Faden von Kaffeedampf quirlte.
Neben dem Pult am Fenster, wo die fünfe standen, lief ein
gepolstertes Möbel an der Wand hin, halb Sofa, halb Feldbett.
Hier verbrachte der kränkliche Bischof seine vielen schlaflosen
Nächte wachend, betend, studierend und im Geiste die hundert
Pfarreien und zweihundert Kaplanstübchen seines kleinen, aber
schwierigen Bistums visitierend. Die fünf Neupriester hatten
die Exerzitien, Fasten und Examen der letzten Wochen tapfer bestanden.
Seit wenigen Tagen waren sie Gesalbte des Herrn und kamen sich immer
noch in einer sozusagen sakramentalen Verzücktheit, ohne Last und
Schwere, wie schwebende Geister oder wie machtvoll bezepterte junge
Fürsten oder wie ein paar Heilande der Welt vor. Sie
dürsteten nach dem Lande, dessen Antlitz sie erneuern, nach dem
Volke, das sie zu lauter Heiligen machen wollten. Ihr ganzes Gesicht


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