Was der Alltag dichtet - Ilse Frapan - Страница 1 из 335


eine junge Birke im April! Vollbehangen mit schlanken grüngelben
Kätzchen, die im leisen Wehen durcheinander schaukeln, noch
blattlos die feinen Zweige, eine schüchterne schmiegsame
Beweglichkeit in dem ganzen Baum, bis zum weißfleckigen
hellaufschimmernden Stamme. Solch eine Birke steht vor Medags
Gartenpforte, und die Sonne des Nachmittags zeichnet ihren zierlichen
Schattenriß auf die grauweiße Wand des einstöckigen
Häuschens hinter der Pforte. Und Milli und Liddi Medag blieben
jedesmal, wenn sie geschäftig und beladen unter der Birke
durchliefen, mitten im Wege stehen, guckten in das Zweignetz mit dem
blauen Himmel dahinter, lachten glückselig, kniffen sich mit den
freien Fingern gegenseitig in den Arm und liefen dann weiter,
während die Zungen auch nicht einen Augenblick ruhten. Sie liefen
zu einem zweiten Häuschen, das aber noch viel kleiner war, als
ihr Elternhaus hinter dem grüngestrichenen Staket. Es war
eigentlich nur ein großes Gartenzimmer mit einer Hausthür
und einem Dach: umschlossen ward es von einer
lückenhaften, ungleich beschnittenen Stachelbeerhecke;
halbgroße Blätter und röthliche
Blüthenglöckchen dehnten sich wohlig im Nachmittagsstrahl.
Es ist natürlich, daß den zwei frohen, halbwüchsigen
Mädchendingern all' diese anderen frohen, halbwüchsigen
Dinge außerordentlich gut gefielen, und daß sie in das
Gartenhäuschen, zu dem sie die Möbel hinübertrugen,


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