Die Waise von Holligen - Jakob Frey - Страница 1 из 339


Umgebungen Berns durchstreift hat, erinnert sich jenes
Schlößleins, das etwa zehn Minuten westlich der Stadt, nahe
an der Freiburger Straße in einem stillen Wiesengrunde liegt. Zu
einem bequemen, mit allen Vorteilen der Menschennähe versehenen
und doch wieder recht einsamen Edelsitze könnte kaum eine
günstigere Lage gefunden werden. Der dunkle Waldhintergrund, der
sich in einem großen Halbkreise auftut, scheint uns schon mit
anmutiger Abgeschiedenheit zu empfangen, während der
geschäftige Lärm der Stadtstraßen dem Ohre kaum
verklungen ist. Im Sommer wird in einiger Entfernung von dem
ganzen Bauwerke nichts bemerkbar als der Giebel des Turmes, der aus
einem kleinen Walde mächtiger Linden- und Kastanienbäume
emportaucht. Geht man aber von der Straße seitwärts dem
Bache entlang, so nimmt uns bald eine lange Allee auf, an deren Ende
ein stattliches Portal entgegenschimmert. In dem Hoftore selbst, aus
schwerem Eisenwerke gebildet und oben mit einem massiven Steinportale
überwölbt, öffnet sich ein kleines
Gitterpförtchen, das in den gepflasterten Hofraum treten
läßt. Linksab, entlang der ziemlich hohen Umfangsmauer,
dehnt sich ein dichtes Nadel- und Laubgebüsch, in das sich
dunkelverschlungene Pfade verlieren; zur Rechten erheben sich einige
Wirtschaftsgebäude, während mitten aus dem Raume der
umfangreiche, viereckige Schloßturm emporsteigt. Sein Aussehen
beweist auf den ersten Blick, daß sich an ihm die


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