Das Jesuiterhütlein - Johann Fischart - Страница 1 из 55


allen Gebieten des deutschen Lebens ein gewaltiger Umschwung ein; die
alte Welt mit ihren Anschauungen geht zu Grunde, um einer neuen,
völlig anders gestalteten Platz zu machen. Auf dem Felde der
deutschen Literatur können wir diese großartigen
Umwälzungen in zwei Erscheinungen wahrnehmen: einmal in der
Ausbildung einer ganz Deutschland beherrschenden Prosa und dann in der
Entstehung hervorragender komischer und satirischer Werke, welche
letztere stets zur Erscheinung gelangen, wenn mit den Traditionen
einer alten Welt gebrochen wird, um aus ihren Trümmern eine neue
aufzurichten. In der Mitte dieses Ringens zwischen dem
Althergebrachten und dem neu Entstehenden steht als Grenz- und
Markstein Johann Fischart. Jenseits finden wir die Volkspoesie in
ihren letzten Ueberresten, diesseits sehen wir die Keime einer
unfruchtbaren Gelehrtenpoesie. Trotzdem Fischart die
hervorragendste literarische Erscheinung seiner Zeit ist und seine
Schriften in unzähligen Drucken und Nachdrucken über ganz
Deutschland verbreitet waren, wird seiner von den Zeitgenossen doch
kaum Erwähnung gethan, und was wir von seinem Leben wissen,
erfahren wir nur durch gelegentliche Aeußerungen des Dichters in
seinen eigenen Schriften. Wer seine Eltern waren, wann er geboren, ist
uns nicht überliefert, vielmehr können wir nur vermuthen,
daß seine Geburt in das Jahr 1550 fällt, da schon 1570 sein
»Nachtrab oder Nebelkräh« erschien. Mit


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