Die Schwingen des Lebens - Louise Antoinette Eleonore Konstanze Agnes Franzky - Страница 1 из 66


Der
Schwesterbund Um das verirrte Geschlecht der Erde zu seinem
höhern Ursprung zurückzuführen und seinem Uebermute zu
steuern, der über vergänglichem Sinnenrausch die Freuden der
Tugend, über irdischem Gewinn seine ewige Bestimmung
vergaß, sandten die Götter eine ihrer himmlischen
Töchter, die Wahrheit, zu den Tälern der Erde hinab.
Erkoren, die trügerischen Gebilde des Wahns zu zerstreuen, war es
in ihre Macht gegeben, den Menschen jegliches Uebel, das sich in ihren
Herzen verbarg, in einem Spiegel zu offenbaren. Zugleich war ihr
Antlitz mit einem so siegenden Glanze bekleidet, daß jeder, ihre
göttliche Abkunft erkennend, ihren Worten hingegeben vertraute.
Als nun die Wahrheit zu den Hütten der Menschen trat und
diese in ihren Spiegel schauten, da entsetzten sie sich über den
Anblick ihrer eigenen Gestalt und die Flecken ihrer Seele, und sie
entflohen in die äußerste Wildnis, um sich vor den Augen
der Wahrheit zu verbergen. Andere entbrannten über ihre
Worte in raschem Zorn und trachteten darnach, die Priesterin des
Himmels zu töten. Die Pfeile aber, die sie nach ihr versandten,
kehrten sich auf ihre eigene Brust, und also fanden viele den Tod, die
durch jene zum Leben berufen waren. Darüber betrübte
sich die Wahrheit von Herzen, und sie floh aus den Kreisen der
Menschen in ein einsames Tal. Als sie, abgeschieden von der


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