Seltene Freundschaft oder: Bello und Miezchen - Louise Antoinette Eleonore Konstanze Agnes Franzky - Страница 1 из 2


Miezchen Bello, der Haushund, wohnte mit einem Kätzchen unter
einem Dache. Sie sahen einander täglich, erhielten ihr Futter
auch zu gleicher Zeit. Bello aber hatte einen guten Appetit, und wenn
sein Teller geleert war, so kam er zu Miezchen zu Gaste. Erst wehrte
das Miezchen sich tapfer und machte einen krummen Rücken; aber
zuletzt räumte sie ihrem zudringlichen Gefährten das Feld
und sah von einem Schränkchen herab gelassen seinen
Verwüstungen zu. Eines Tages hatten böse Kinder das
Kätzchen gefangen und Miezchen hatte einem Knaben dabei scharf
ins Gesicht gehauen. Darüber war die ganze Rotte in solche Wut
geraten, daß sie das arme, kleine Tier in einen schmutzigen
Rinnstein warfen, es jämmerlich schlugen und zuletzt mit
Füßen traten - Miezchen schrie, was es konnte, aber bald
verstopfte ihm das strömende Blut Augen und Nase - es glaubte zu
sterben und stieß nur noch ein leises Gewinsel hervor. Da
erscholl plötzlich ein lautes Gebell, und wie ein Sturmwind flog
der redliche Haushund auf das klägliche Miau seiner Tafelgenossin
herbei. Mit fürchterlicher Wut stürzte er auf die grausamen
Kinder, bis sie schreiend und heulend auseinanderflogen. Nun aber zog
er behutsam das Kätzchen aus dem Schlamme, beleckte seine Wunden
und trug es dann vorsichtig mit der Schnauze ins Haus. Hier, wo seine
Hütte stand, legte er Miezchen aufs Stroh und hörte nicht
auf mit Winseln und Lecken, bis es ein Zeichen des Lebens von sich


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