Die letzte Reckenburgerin - Louise von François - Страница 1 из 423


Schlacht von Waterloo, als in einem niederländischen
Grenzstädtchen armen Eltern eine Tochter geboren wurde. Die
kleine, fremde Stadt ist nicht der Schauplatz unserer Geschichte und
die kleinen, fremden Leute sind nicht deren Helden. Das
alltägliche Ereigniß aber sollte gleichsam den Angelpunkt
bilden, um welchen dieselbe rückwärts und vorwärts sich
bewegen wird. Denn wäre jenes Kindlein nicht geboren, oder
wäre es nicht in der Fremde und in Dürftigkeit geboren
worden, so würde die weite Welt von unserer wirklichen Heldin
schwerlich etwas erfahren und wir würden ihr nicht deren
Geheimnisse zu offenbaren haben. Der Vater des Kindes war noch
jung, vielleicht kaum großjährig. Dazu ein Mann von
auffälliger, sagen wir ritterlicher Kraft und Schöne der
Gestalt, wenngleich das sturmvolle Leben des Feldlagers in den
frühverwüsteten, narbigen Zügen zu lesen stand und
wenngleich der Verlust eines Armes ihn zum Krüppel machte. Er war
als unbärtiger Forstlehrling der Schaar des Braunschweig-Oels
in Sachsen zugelaufen, hatte die heldenmüthigen Fahrten und
Thaten dieses Corps unter britischer Fahne auf der Halbinsel, wie
später in den Niederlanden getheilt, bis er, bei la Haye
sainte schwer verwundet und eines Gliedes beraubt, als Wachtmeister
verabschiedet worden war. »Prinz Gustel« hatten die
Kameraden der Legion den stattlichen, flotten Sachsen titulirt; er
selber nannte sich bescheidentlich August Müller. Die


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