Fräulein Muthchen und ihr Hausmeier - Louise von François - Страница 1 из 76


strömte am 30. April des blut- und wasserströmenden Jahres
1813, als zwei Meßbesucher hastig das Ranstädter Tor in
Leipzig passierten und im vorstädtischen Gasthof »Zur
Laute« das Anspannen ihres Fuhrwerks bestellten. Die Runde hatte
sich verbreitet von einem gestern erfolgten Zusammenstoß der
russischen und französischen Vorhut in der Nähe ihres
Wohnortes, kaum vier Meilen von Leipzig entfernt. Es drängte sie,
ihr bedrohtes Heimwesen zu erreichen. Im Begriff, ihr Vehikel zu
besteigen, wurden sie von einem Studenten aufgehalten und gebeten,
ihre Fahrt teilen zu dürfen, da die Post überfüllt,
eine andere Gelegenheit aber auch in diesem vorzugsweise den Hauderern
der westlichen Straße als Ausspannung dienenden Wirtshause nicht
aufzutreiben sei. Der Student war ein frisches, junges Blut, in
schnurenbesetzter Pekesche, das schwarzrotgold geränderte
Käppchen der Thüringer Landsmannschaft auf dem braunen
Lockenkopfe, und gegen die Gewohnheit der handelsbeflissenen
Universitätsstadt den klirrenden Schleppsäbel an der Seite;
Gesundheit glänzte auf seinen Wangen, ein feuriger Strahl aus den
offenen blauen Augen. Er nannte sich Hermann Wille und bezeichnete als
Ziel seiner Reise das Haus seines Vormunds, eines Predigers, in der
Nähe der Stadt, nach welcher die Herren auf dem Wege waren.
Das Gesuch wurde so zutraulich gewährt als gestellt; der
Student schwang sich auf den Rücksitz den beiden älteren


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